Trommeln für das Wasser und die Erde als Heilboot Trommelritual

Sonntags* 20-21 Uhr in der Galerie 561 Landshut

 

Wir sitzen alle in einem Boot

Das Heilboot Trommelritual ist eine soziale Skulptur. Die absichtslose Hingabe und die schwester- und brüderliche Bereitschaft, sich füreinander einzusetzen, bilden die soziale Qualität des Heilbootes. Energie, Kraft und Zeit für andere zu investieren öffnet den Heilraum. Seit der Arche ist das Boot auch immer ein Errettungsmotiv. Die Intelligenz und das Wissen des Wassers tragen uns durch Raum und Zeit. Im Bild des Bootes „rudern“ wir mit unseren Trommeln auf den Wasserstraßen der geistigen Welt.

 

Ritual der Heilfahrt

Das Heilboot Trommelritual nutzt die heilende Energie und das tiefe Wissen des uralten schamanischen Rituals, in welchem wir eine Reise der Heilung unternehmen. In einem imaginären Boot sitzen Trommler, Bootsmann und Steuermann, ein Reisender liegt geborgen in der Mitte neben dem Altar mit einer Schale Wasser und Erde. Die Positionen werden so durchgewechselt, dass alle Teilnehmer jede Perspektive und Interaktion des Bootes erfahren. Wir trommeln für das Wasser und die Erde und für alle Anwesenden.

 

Herzschlag der Erde

Mit jedem Trommelschlag finden wir uns ein in den Herzschlag der Erde und tragen zur Harmonisierung der Welt bei. Die Vibration „rüttelt“ alles wieder an die richtige Stelle, die Klangwellen suchen die Beziehung der Herzen. 

 

*Termine in der Galerie 561: jeden Sonntag 20-21 Uhr, € 15.-

Ferientermine erfragen 

 

Trommel- und Rasselbau 12./13. Mai 2017 (siehe Programm)

 

Trommelbemalung

Trommelweihe

auf Anfrage T 0871 25472 

 

Trommel- und Schlegelbau

auf Anfrage T 0871 25472

 

 

Herzschlag und Atem
Über die Geschichte von Rhythmus und Klang

 

Die Trommel gehört zu den ältesten Klangkörpern; sie bildet unser Herz nach. Trommeln heißt sich einfinden in den Herzrhythmus der Schöpfung. Trommeln sind weiblich, wurden ursprünglich von Frauen geschlagen und sehr individuell benutzt. Die schamanische Rahmentrommel ist zudem ein Reise- und Kommunikationswerkzeug, welches der schamanisch Tätige nutzt, um die Welten zu bereisen, mit den Ahnen in Kontakt zu treten (untere Welt), die geistigen Lehrer zu befragen (obere Welt) und in diesen Anderswelten co-kreativ zu werden. D.h. in die nichtalltägliche Wirklichkeit zu gehen, dort zu leben, zu reisen, Erlebnisse zu haben und damit die alltägliche Wirklichkeit zu beeinflussen. Mit der Manifestation größerer, vor allem monotheistischer Religionen wurde diese weibliche, basisdemokratische und individuelle Praxis durch andere Instrumente und männliche Strukturen abgelöst. Die Archaik der Trommel beruht auf der Einheit von Pflanzen-, Tier-, Menschen- und Geisterwelt. Über einen Holzring werden Tierhäute gespannt. Der Rahmen bildet den Bauch, den Resonanzraum und die gespannte Haut, die Membran, welche Wellen aussendet und gleichzeitig empfängt. Jeder Klang der Trommel ist gleichzeitig eine Massage aller Zellen und die Wellen tauschen permanent Informationen aus, welche aus der unendlichen Tiefe des grenzenlosen Raumes und der Weite der anfanglosen Ewigkeit entstehen. Der Trommler hört mehr als dass er selbst Rhythmen initiiert, die Trommlerin achtet auf die Zwischenräume, aus welchen die Informationen der Anderswelt zu uns kommen in Form von Bildern, Farben und Stimmungen. Wir kommen damit in die inneren Regionen des Mikrokosmos genauso wie in die Weiten des Makrokosmos. Es gibt dabei keine Distanz zwischen dieser und jener Welt, die nur wir erleben, weil wir uns aus der Anderswelt zurückgezogen haben, keine Erfahrung und Technik besitzen, um einfach hinübergehen zu können und uns die Landkarten dieser Welten in der Tiefe der Erde und in die Höhe der Himmeln erst erarbeiten müssen. Bei Trommelritualen spielt die Natur sofort mit, ein Falke ruft oder ein anderer Raubvogel fliegt über uns oder Stimmen und Gesänge sind zu hören von unsichtbaren Wesen.
In der Folgezeit gewann der Atem an Macht und Raum, die Blasinstrumente wurden geboren und von Männern gespielt. So wie das Herz der anfangslose Geburtsort der Trommel ist, so bilden Klang, Gesang und Sprache die Basis eines dynamischen Schöpfungsprozesses, welcher Raum und Zeit als Anfang und Ende definiert, als Werden und Vergehen, Ein- und Ausatmen. Wenn diese beiden Rhythmen von Fließend und Stakkato auf natürliche Art weiter strömen, entsteht Chaos, ein Ort wo sich die Gegensätze verschmelzen und Heilung geschieht. Der Rhythmus des schamanischen Trommelns kreiert diesen lebendigen gesteigerten Puls als Magie der Einheit, Offenbarung des Potentials, Weg der Heilung, des Online-seins mit den Spirits. Im Tanz drücken wir diese Ebenen von weiblich-männlich und Verschmelzen mit unserem ganzen Körper aus und verbinden damit den Innenraum mit dem Außenraum, das Individuelle mit dem Sozialen.

 


Trommeln mit Kindern und Senioren
Kinder sind der geistigen Welt noch ganz nahe, sie dürsten heute sehr nach spiritueller Erfahrung und nach seelischer Kreativität. Das Trommeln ist für alle Temperamente ein Glücksfall, weil Räume, die angelegt sind erforscht werden und sich ursprüngliche Wildheit ausdrücken kann. Kinder wechseln permanent zwischen den Welten, leider unterstützen die meisten Erwachsenen sie dabei nicht, vielmehr nehmen wir ihnen durch Erziehung und Schule die Fantasie, den Mut und die Neugier, dass die Anderswelt zu unserem Leben gehört (und nicht verrückt ist). Märchen und Mythen sind voller Gestalten, Tiere, Elemente
und Erlebnisse aus diesen Reichen. Ein Großteil unserer Filmindustrie basiert auf der Sehnsucht nach der nichtalltäglichen Wirklichkeit. Kinder müssen träumen dürfen, ihr Leben verbinden mit den archaischen Menschheitsgemeinschaften, den Tieren, Pflanzen und geistigen Wesen, Elfen, Zwergen, Riesen und Engeln...

 


Wenn Senioren trommeln, besonders wenn die Demenz sie vom Hier und Jetzt entfernt, werden Impulse wach, können die Alten wieder mehr im Körper ankommen, aus ihren Träumen auftauchen. Auch das bloße Zuhören bringt die Zellen zur Vibration, alles erstrahlt in einer gesteigerten Lebendigkeit. Die Senioren halten sich wie die Kinder mehr im Jenseits, als im Diesseits auf und lassen alles was wir vordergründig zum überleben brauchen los, um sich auf das große Geheimnis des Überganges vorzubereiten und ihr Leben auf Erden zu vollenden. Es ist immer wieder erstaunlich wie Menschen, die kulturell ganz andere Lebenserfahrungen und Gewohnheiten haben, in den tranceartigen gleichbleibenden Rhythmusraum hinein atmen ohne Widerstand oder Fremdsein. Manchmal kommt es vor, dass sich eine Seniorin oder Senior anfangs kurz die Ohren zuhält. Schließlich ergeben sich alle dem chaotisch wummerndem Heilrhythmus und lösen bei dieser Massage ihre inneren und äußeren Verspannungen. Altenheime wie Kindergärten und Lehrer sind positiv fasziniert von der Wirkung der schamanischen Trommel und ich hatte schon mehrere LehrerInnen und AltenpflegerInnen, die sich dann zum Trommelbauworkshop angemeldet haben und heute zum Clan der TrommlerInnen gehören.
Das Zusammentrommeln und gemeinsame Singen von Kindern und Senioren gleicht einem alchemistischen Vorgang, beide Altersgruppen, nahe den Toren ins Universum ergänzen sich zu einer vertieften Lebendigkeit, einer ergreifenden Begegnung, nahrhaft für unsere Seelen. So werden die Alten auch wieder geehrt und den Kindern Respekt vor dem Alter gelehrt, wie es in allen ursprünglichen Kulturen üblich war. Inklusion, Integration, das alles sind zeitgemäße Forderungen, die uns ermahnen, unsere Gesellschaft wieder als eine Ganzheit zu ordnen, wie sie in mythischer Zeit wahrgenommen wurde und wie wir aufgerufen sind unsere Zukunft zu gestalten (d.h. im Lehrplan müßte die Zusammenarbeit von Schülern und Senioren verankert sein). Immer wieder fließt dann in die Stimmung ein lyrisches, poetisches, spirituelles Licht. Es entsteht ein lebendiger Tanz innerer Kräfte, innerer Welten, die sich sinnlich in Rhythmus und Klang, in Zart- und Wildheit, Fließendem, Pochenden und im Chaos selbst ausdrücken. Strahlende Gesichter, sich straffende Falten, aufgeräumte Augen, entspannte Schultern, weiche Füße, zarte Fingerspitzen, das alles sind Symptome dieser Begegnung, dieses gemeinsamen Tanzes mit Trommel und Stimme. Und immer wieder öffnet sich der Himmel in einer tief ergreifenden Stille, der fünfte und letzte Rhythmus der archaischen Welle des Lebenstanzes.
Dr. phil. Markus Wimmer