Markus Wimmer

Die Zeichen der Zeit

Je mehr wir ganzheitlich, von vielen Richtungen und aus der Stille schauen, umso mehr Aspekte, Farben, Klänge, Rhythmen und Botschaften erfährt die Wirklichkeit, ja sie wird so erst erlebt als reich gewirkt und mit Wirkung gefüllt. So in unserer Mitte stehend, schauen wir in die Welt, Landschaften entstehen, fließen, wachsen und vergehen. 

 

Wenn wir die schamanische Sicht hinzunehmen, werden Strukturen sichtbar, die uns Ordnungen und Kräfte schenken. Gleichzeitig tauchen wir ein in eine unendliche Welt und in Geschehen großer Weite. Auch die anderen spirituellen Traditionen bieten Werkzeuge und Sichtweisen der Weisheit, die uns in diesem Moment wohltun. Tore öffnen sich, Schleier lüften sich zu weiteren Landschaften und Wirklichkeiten…

 

Wir erleben seit dem Ende des Maya Kalender 2012 eine Zeit des intensiven Wandels. Wir werden einzeln als auch als Menschheit mit den Konsequenzen unseres Lebensstils konfrontiert und stehen vor der bewußten Entscheidung mit der Erde weiterzuleben und sich dem Neuen zu öffnen. Das Was und Wie unseres Erleben können wir wie Bilder, wie Symbole und Zeichen sehen. Mit dieser ganzheitlichen Sichtweise ist eine sinnvolle Deutung unseres Lebens wesentlich tiefer und bewußter zu erzielen als mit statistischen Gesetzen oder mikroskopischen Beobachtungen, denn diese schneiden nur einen winzigen Teil aus dem Ganzen heraus und interpretiert diesen dann für das Ganze des Lebens. Diese Methode birgt ein hohes Risiko an Fehlentscheidungen. Bilder, Symbole und Zeichen öffnen einen individuellen Interpretationsspielraum, respektieren das Individuum bereits mit der Methode und sind selbst komplexe Kräfte und Wesen, die sich entwickeln und bewegen, wie alles im Kosmos. Der Mensch kann sich als Einzelner als Souverän erfahren, der er ja ist, als ein Wesen, das mit dem Großenundganzen verbunden ist und darin eine ganz eigene Aufgabe hat. So erschafft er sich gemeinsam mit dem Leben immer wieder einen Spielraum des Kreativen, in dem seine Kreatürlichkeit mit Sinn erfüllt ist.

 

Die Erde und ihre Lungen

Die Erde hat ihre Schwingung in den letzten Jahren drastisch erhöht, wir erleben eine kräftige Umwaldung, die alle Zellen des Seins ergreift. Es sind Vorgänge hoher Dynamik, die im gesamten Kosmos strahlen und uns Menschen immer wieder wellenartig erfassen und uns mitnehmen, wenn wir das wollen, oder eben nicht. Da wir und die Erde eins sind, d.h. wenn wir die Regenwälder zerstören und große Teile verbrennen, dann werden u.a. auch unsere Lungen krank, denn die Pflanzen, Bäume, Wälder und der Mensch bilden einen Atemkreislauf, eine schöpferische Einheit unbeschreiblicher Schönheit, Weisheit und Kraft. In Gegenden mit hoher Luftverschmutzung wie in China und Italien wirkt diese Zerstörung unserer Mitwelt dann noch einmal viel drastischer auf den einzelnen Menschen ein.

 

Erde und Mensch

Wir müssen die Sichtweise beenden, dass unser Handeln keine Konsequenzen hat. Dies ist vom Herzen erst dann möglich, wenn wir die Einheit mit der Erde, der Natur und dem Sein des Lebens konkret spüren. Dazu brauchen wir Ruhe. Trotz der aktuellen politischen Verordnungen zum Rückzug und die Schließung vieler Berufe krachen jetzt unsere Ängste in den scheinbar leeren Raum des Ungewissen und versuchen die Stimmung und unsere Widerstandskräfte zu stören. Am schnellsten läßt sich diese Phase wandeln, in dem ich meine Ängste oder auch Dunklen Seiten mit Mitgefühl betrachte und mich in Vertrauen übe. Schließlich trägt uns das Leben ohne unterlass und selbst der Tod öffnet nur eine weitere Türe in die geistige Welt. 

 

Das Zusammenwirken von Erde und Mensch hat gerade eine Tiefe erreicht, die viele Menschen berührt, gerade in Momenten, wo es stiller wird, wo die Natur sich regenerieren kann und wo wieder mehr Raum für sie entsteht. Aber auch wenn wir rituell mit den Elementen arbeiten, ist eine Intensität möglich, wie sie lange nicht mehr vom Menschen erlebt werden konnte. Es gibt bei der Kommunikation mit der Natur allerdings eine Bedingung, die der Mensch erfüllen muß. Nicht nur, dass er sich der Wesenskraft der Natur öffnet, vielmehr, muß er sich zum Positiven, zur Bejahung seines Lebens, des Lebens auf der Erde überhaupt entschließt. Wenn er geistig und emotional im Trüben fischt, öffnet sich die Natur nicht, die Naturwesen sehen den Menschen überhaupt nicht und lassen nur einen Bruchteil der Farben, Lichter, Klänge und Gerüche über die Sinne wahrnehmbar werden. Intensive Naturerlebnisse sind in dieser Zeit wie Offenbarungen des Göttlichen, sie verändern unser Wesen. Dazu bedarf es einer Reifung, eines Einlassens auf tiefe Prozesse, die befreien von existentiellen Ängsten. Dann wächst eine Stabilität, eine Geschwisterlichkeit zwischen Mensch und Baum, Mensch und Tier, Mensch und Landschaft. Daraus entwickeln sich Kräfte und entsprechende Ideen das eigene und gemeinschaftliche Leben so zu ändern, dass wir nicht mehr unter den Konsequenzen unseres Lebensstiles leiden müssen, sondern das Leben auf der Erde wieder zu einem paradiesischen Zustand machen können. Wir sind als Mensch aufgefordert genau hinzuschauen, welche Handlungen und Lebensweisen uns und der Erde guttun. Die Ursache des Corona-Virus liegt genau in diesem zutiefst trüben Bereich des Verhältnisses von Mensch und Tier. Warum fällt es uns so schwer in Respekt vor der Tierwelt zu leben? Wenn wir die Erde und all ihre Wesen wieder als Einheit, als Teil unseres Lebens spüren können, dann spüren wir vor unseren Untaten den Schmerz der Mitwelt und müssen ihn nicht erst durch die Konsequenzen tragen. Es ist an der Zeit unsere Sünden gegenüber der Natur zu erkennen und sich wieder mit ihr auszusöhnen. Das kann in einem Ritual geschehen, in einem Gebt. Doch denke daran, dass, wenn du es ehrlich meinst, dies Konsequenzen auf deinen Lebensstil hat.

 

Die Weiterenticklung des Sozialen ist ein weiteres Feld, das über die Zukunftsfähigkeit der Menschheit entscheiden wird. Unser Mitgefühl gegenüber den Wesen der Erde schließt unsere Menschenfamilie mit ein. Unser Verhalten gegenüber unseren Mitmenschen zeigt ja genau, wie „unterentwickelt“ wir auf diesem Gebiet noch sind. Eine Epidemie ist genau der bildhafte Ausdruck unseres Konkurrenzdenkens dem Anderen gegenüber. Wie kann die Bekämpfung dieser Epidemie gelingen, wenn wir gleichzeitig Flüchtlinge an unseren Grenzen und im Mittelmeer sterben lassen? Das Erfüllen des menschlichen Mitgefühls ist in jedem Fall auch wirtschaftlich „günstiger“, als die jetzt gemachte Entscheidung. Sie wird unvergleichlich teurer kommen als die Aufnahme der Flüchtlinge an unseren europäischen Grenzen! Warum vertrauen wir nicht dem Leben und handeln nach dem, was jetzt notwendig ist?

 

Das Leben in der Natur unserer Vorfahren war auf Ausgleich ausgerichtet, Ausgleich mit den Geistern, mit den Früchten der Natur und zwischen den Menschen. In der Natur ist auf größere Sicht alles auf Ausgleich ausgerichtet, wenn wir das stören, dann zerstören wir, dann werden wir leiden. Die menschlichen Gesellschaften sehen sich nicht mehr innerhalb der Natur, postulieren eigene „Gesetze“ und zerstören sich deshalb selbst. Keine der modernen Gesellschaftsformen hat es annähernd geschafft Frieden auf Erde zu kreieren. Der Friede aber ist eine Kunst des Liebens in der Gemeinschaft mit dem Großenundganzen. Nichts ist davon ausgeschlossen.

 

Der geistige Hintergrund unserer alten Welt trägt nicht mehr (Ana Pogacnik). Das verursacht Panik, denn das Neue ist noch nicht in Sicht. Viele von uns haben sich genau dazu verabredet, das Alte zu beenden und bewußt ins Neue zu gehen. Der Weg ins Neue geht nur über eine intensive Naturbegegnung und ein ganzheitliches Studium des Lebens. Um präsent werden zu können, müssen wir unsere eigenen Altlasten in unserem Inneren und in unserem unmittelbaren Leben erledigen, bereinigen, befrieden. Ohne diese Präsenz spiegelt uns das Chaos des äußeren unser inneres Chaos und liefert uns den selbst herauf beschworenen Gefahren aus. So werden wir das Neue nicht erreichen. Der Weg ins Neue führt zu dramatischen Prozessen und Wandlungen. Dazu braucht man kein Prophet zu sein. Jede und Jeder von uns kennt ja die eigene Unreife und wird sie in diesen Augenblicken erneut und vertieft erfahren. 

 

Bei all den Katastrophen, die die äußere Welt bieten wird, gibt es doch Ankerpunkte, die wie Zufluchtsstätten unseren Fokus auf das Neue offen halten. Wir alle haben dazu bereits Strategien, die wir, wenn sie weiterhin hilfreich sein sollen, ebenfalls massiv verändern müssen. Nichts von Menschen Gemachtes wird uns Halt geben! Wir dürfen uns wieder dem großen Geheimnis und dem Mysterium des Lebens anvertrauen, auch wenn unser Verstand massiv dagegen angehen wird. Doch er ist zu klein für diesen historischen Moment. Die Erde Selbst offenbart uns Orte der Kraft und Weisheit, Menschen, die dazu Brücken bauen, schenken uns die Botschaften, die unsere Seele jetzt brauchen. Die größte bisher gefundene Steinkugel der Welt in Zavidovici in Bosnien ist ein solcher Ort, den Ana Pogacnik in ihrem Buch „Ins Wunder des Neuen“ vorstellt. Ein wundervoller Weg zu wachsen und neues Vertrauen zu finden.

 

Die gegenwärtige (konstruierte) Ungewissheit kann auch eine Chance sein, genau das zu üben, was jetzt angesagt ist. Keinerlei Vorstellung von der Zukunft zu haben, denn es werden sich Änderungen ergeben, die nicht aus der Menschheit kommen, nicht aus unserer technisch konstruierten und berechneten Welt, nicht aus der Macht der Wirtschaft oder Politik. Unser lineares Denken ist nicht geeignet das Neue zu erkennen. Die Bereiche unseres Lebens, die sich mit Kreativität und Spiritualität beschäftigen sind am ehesten geeignet die ersten Klänge, Rhythmen, Farben und Stimmungen des Neuen aufzunehmen und zu erkennen. Der Künstler im Menschen steht dem Neuen immer gegenüber, wenn er sich dem schöpferischen Prozess ausliefert, als schöpferische Menschen träumen wir, ahnen wir, gebären wir, alles natürliche Vorgänge, Vorgänge unserer Natur. „Jeder Mensch ist ein Künstler“ hat Joseph Beuys postuliert, das ist es, was uns ins Neue bringt. Und die „soziale Plastik“, sie gehört untrennbar dazu, denn es geht nicht um egomane Schöpfungen, Künstler fürs Museum, vielmehr ist die Gestaltungsfrage des Miteinanders, des gemeinsamen Wirtschaftens, des rechtlichen und kulturellen Zusammenlebens unser Thema. Mitgefühl voreinander zu haben, gemeinsam etwas zu entwickeln, zu erschaffen und alle Ebenen mit einzubeziehen, auch das ein Modell von Joseph Beuys in der „Freien internationalen Universität“, in der Künstler, Spirituelle und Wissenschaftler zusammenarbeiten. Das Wissen, egal auf welchem Gebiet, ist immer beschränkt. Beschränktes Wissen birgt die große Gefahr des Irrtums. Wir dürfen uns wieder dem machtvollen Wissen der Unendlichkeit des Kosmos öffnen. Der Geist weht wo er will. Wir sind die Empfänger, die geistige Welt wartet auf uns. Unser Wesen ist dabei Organe zu entwickeln, um Wahrnehmungen zu empfangen, die heute noch gar nicht gedacht werden können. Z.B. das menschliche Ohr ist ein solches Organ, dessen Entwicklung erst begonnen hat. Im Ohr ist die Ordnung des Kosmos, die Musik der Welt enthalten. Zuhören ist eine der wesentlichen gesellschaftlichen Techniken, die jetzt angesagt sind. Die vorherrschende und wissenschaftlich dominierende Sichtweise der Weißen steht gerade erst am Anfang den weltweiten Diskurs zuzulassen und sich für Befruchtung zu öffnen. Nicht umsonst sind die indigenen und Schamanen aus aller Welt nach Europa gekommen, von ihren Spirits veranlasst an eine andere Weltsicht zu erinnern und viele von uns haben dieses Wissen in ihren Schoß aufgenommen und tragen es fruchtbar in die Welt. Wir sind gerade erst dabei die Zerstörung dieser Weisheiten zu beenden.

 

Am 12. März wollte Ana Pogacnik als letzte Station ihrer Deutschlandtour ihr Buch in der Galerie 561 vorstellen. Am Morgen rief sie mich an, dass sie sofort nach Slovenien zu ihrer Familie fährt, weil die Grenzen wegen des Corona-Virus schließen. Ich bot den angemeldeten Teilnehmern an, dennoch zu kommen, um gemeinsam zu meditieren, zu trommeln und aus Anas Buch zu lesen. Ich gab „Ins Wunder des Neuen“ in die Runde und wartete auf Impulse. Nach einer ersten Lesung folgte eine Trommelreise zur Steinkugel. Von Erlebnissen wurde berichtet. Jemand schlug vor zu tönen. Es wurde wieder gelesen. Töne schälten sich aus der Stille und formten die Gruppe zu einem neuen Gebilde, das wie die Kugel selbst war. Abschließendes Lesen und gemeinsames Trommeln an der großen Erdtrommel. Das im Kreis geschöpfte strahlte mit den Wellen der Klänge aus. Eine Gruppe ohne Führung, eine Dynamik ohne Plan, Menschen, die sich nicht kannten und doch in ihrer Dynamik ergänzten, eine neue Form entstand, sehr berührend, sehr dicht, ein Schritt in die Zukunft.

 

Gebt einander die Hände, lasst die unendliche Liebe fließen, öffnet Euch dem Ummanifesten des Neuen, lauscht, schaut, träumt. Wir sind von Anfang an als Mitschöpfer des Universums bestimmt, wir haben schon viel gelernt, wir sind sehr lern- und anpassungsfähig, wir sind die Kinder von Mutter Erde, die Kinder einer Neuen Zeit.

 

 

Auf einen Austausch freue ich mich. Danke

 

Mit Trommelgrüßen Markus

 

Neues Programm fortlaufend und für die Sommerferien siehe unter Programm.

 

Neues Projekt "Kosmischer Kindergarten für Menschen auf Mutter Erde" siehe Navigation.

 

Jetzt aktuell wichtig: Trommeln, und schamanische Arbeit im Feld von Erde und Mensch: Wir bieten Gruppen, Ausbildung, Fortbildung, Forschung, Begleitung und Rituale

 

Wir freuen uns auf eine Begegnung, bitte zusätzliche Termine vereinbaren: T 0871 25472